Zoff mit der Feuerwehr…

… so titelte das Pinneberger Tageblatt am Donnerstag.

Feuerwehr sauer auf Politiker

ELLERBEK – Nach der Abstimmung beginnt das große Stühlerücken. Kaum sinken die Hände der Politiker im Bauausschuss wieder Richtung Tisch, erheben sich die Feuerwehrleute. Geschlossen verlassen rund 15 Einsatzkräfte den Sitzungssaal. „So ein Kaspertheater“, raunt einer. „Jetzt warten wir nochmal sechs Jahre“, ein anderer. Nach Hause geht keiner von ihnen. Sie treffen sich in der Fahrzeughalle der Feuerwehr Ellerbek, dem Stein des Anstoßes, und machen ihrem Ärger Luft. Sie sind bedient. „Es steht mir bis hierher“, sagt Hans-Hermann Kudenholdt, Kassenwart der Wehr und zugleich CDU-Gemeindevertreter, während er die Handkante über die Stirn zieht.

Die Ellerbeker FDP und SPD haben am Dienstagabend erneut den Bau der Feuerwache verschoben. Auf Antrag von Bürgermeister Günther Hildebrand (FDP) sollen er sowie Vertreter der Fraktionen mit dem Feuerwehrvorstand reden. „Noch vor der Sommerpause“, sagte Hildebrand in der Sitzung des Bauausschusses. Ziel: Er will günstigere Alternativen zum bestehenden Architekten-Entwurf finden.

Zuvor war die CDU mit ihrem Antrag gescheitert. Die Christdemokraten wollten an dem Beschluss vom März vorigen Jahres festhalten. Damals hatten sich die Gemeindevertreter einstimmig das Büro Theine + Wawersik mit der Planung des Neu- und Umbaus der Feuerwache Ellerbek beauftragt. Die Christdemokraten wollten nun den Neubau vorantreiben, das Grundstück als Sonderfläche ausweisen und den Bebauungsplan aufstellen. Stattdessen heißt es jetzt: Alles zurück auf Anfang.

Dabei ist der Neubau, zumindest aber ein umfassender Umbau, dringend notwendig. Bereits 2005 hatte die Feuerwehrunfallkasse Kiel erhebliche Mängel festgestellt. So gibt es in der 1976 gebauten Fahrzeughalle kein Abzug für die Autogase. Die Einsatzkräfte müssen sich in der Diesel-Wolke umziehen. Zudem ist es zu eng, die Fahrzeuge stehen zu dicht beisammen. Teilweise können die Fahrzeug-Türen nicht gleichzeitig geöffnet werden. Und zum Warten müssen die Fahrzeuge aus der Halle gefahren werden – die seitlichen Schubladen können in der Garage nicht ausgezogen werden.

Dass die Gemeindevertreter erneut zögern, können die Einsatzkräfte nicht verstehen. „Es geht um die Sicherheit und Gesundheit der Kameraden“, sagt Michael Schack, Sicherheitsbeauftragter der Wehr. Dabei hatte der Bürgermeister in der Vergangenheit immer wieder erklärt, dass mit dem Bau begonnen werde. Und auch am Geld sollte es nicht scheitern. „Die Finanzierung ist gesichert“, versprach der Bürgermeister Anfang letzten Jahres.

Doch nun das Umdenken. In der Sitzung des Bauausschusses holte Hildebrand die alten Pläne raus. Er befürwortet einen Entwurf, bei dem nicht das gesamte Gelände, das im Gemeindebesitz ist, bebaut wird. Fast 2000 Quadratmeter Grünfläche würden stehen bleiben und könnten als Baugebiet ausgewiesen und verkauft werden. So könnte man die Baukosten, bislang mit 1,2 Millionen Euro veranschlagt, fast halbieren, argumentierte Hildebrand.

Sowohl CDU als auch Feuerwehr wehren sich dagegen. Diese Lösung könne am Ende wesentlich teurer werden, sagte der Christdemokrat Martin Berg. Die Gemeinde hatte bereits Fläche neben der Fahrzeughalle verkauft – weshalb ein Anbau an das alte Gebäude nun unmöglich ist. Verhandlungen mit der Grundstücksbesitzerin über einen Rückkauf waren gescheitert.

Hildebrand bedauert die Verzögerungen. Er habe auch kein Interesse daran, auf jeder Versammlung der Feuerwehr daran erinnert zu werden, dass nichts passiert ist. „Das macht keinen Spaß“, sagt er.

Quelle: Pinneberger Tageblatt

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